SBB Zug

Nur mit Transparenz kann man energieeffizient und nachhalitg sein.

Die SBB als Vorbild – Ihre Klimaziele

Mobilität Jedes Schweizer Unternehmen muss sich heute der Nachhaltigkeit verpflichten. Manche tun dies proaktiver als andere. Einen ambitonierten Fahrplan in Sachen Energieeffizienz haben die SBB. «Nachhaltigkeit» durfte hinter die Kulissen der Bundesbahnen blicken. Es hat sich gezeigt: Sehr viel wurde bereits erreicht. Und viel bleibt noch zu tun.

Miriam Dibsdale

Die SBB verfolgen grosse Ziele. Das trifft nicht nur auf den Ende Jahr in Kraft tretenden Fahrplanwechsel zu, sondern gilt insbesondere auch für die Umweltvision des Konzerns: So sollen beispielsweise bis 2025 600 Gigawattstunden an Energie eingespart werden. Zusätzlich will man im gleichen Zeitraum dafür sorgen, dass die Züge mit zu 100 Prozent erneuerbarer Energie auf den Schienen unterwegs sind.

Diese Visionen in die Tat umzusetzen, das ist die Aufgabe von Arnold Trümpi, Leiter Energieeffizienz der SBB. Sein Verdikt: «Wir haben uns ambitionierte Ziele gesteckt – aber sie sind erreichbar.» Dass die SBB ihre Energie-Ziele auch tatsächlich umsetzen können, haben sie bereits bewiesen: So wurden im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen um 37 Prozent – oder 67 000 Tonnen – gegenüber dem Basisjahr 1990 reduziert. Diese Reduktion war ursprünglich als Ziel für 2020 angedacht, erreicht wurde es aber bereits im vergangenen Jahr. Das ist umso erstaunlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass in den letzten sieben Jahren der Personenverkehr auf der Schiene um 30 Prozent zugenommen hat. Und in diesem Jahr wurden bereits 200 Gigawattstunden eingespart – das entspricht dem Energieverbrauch von 50’000 Haushalten.

«Wir haben uns ambitionierte Ziele gesteckt – aber sie sind erreichbar.»

Greenhouse gases

Wie aber war diese CO2-Senkung trotz Passagieranstieg möglich? «Da müssen natürlich mehrere Faktoren zusammenspielen», führt Arnold Trümpi aus. Zum einen habe man im Immobilienbereich bei Neubauten direkt auf alternative Energieträger gesetzt. «Vor allem Wärmepumpen kommen dabei zum Einsatz, deren CO2-Bilanz deutlich besser ist als die von herkömmlichen Heizanlagen.» Auch im Fahrzeugbereich sei einiges passiert. «Wir setzen auf unserem Netz Hybridlokomotiven ein, die quasi nur auf ‚der letzten Meile’ mit Diesel fahren, ansonsten aber vollumfänglich elektronisch angetrieben werden.» Generell könne man sagen, dass der Bahnverkehr der SBB schon heute weitgehend CO2-neutral betrieben wird. «Von daher stehen die Chancen gut, dass wir im angepeilten Zeitraum unsere Energie- und Emmissions-Bilanz auch in anderen Segmenten weiter verbessern können», ist Trümpi überzeugt.

Ein Bündel an Massnahmen

Wo kann die SBB den Hebel konkret ansetzen? Ein Blick auf den «SBB Aktionsplan» gibt Aufschluss: Grundsätzlich müssen alle 31’000 Mitarbeiter der Bundesbahnen energieeffizient agieren, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Lokführer zum Beispiel können den Energieverbrauch durch eine energiesparende Fahrweise deutlich reduzieren. Dies dank der «Adaptiven Fahrweise» (ADF). Diese ausgeklügelte Technik übermittelt Lokführern Geschwindigkeitsempfehlungen direkt in den Führerstand und stellt damit eine direkte Verbindung her zwischen Lokführern und den Betriebszentralen für die netzweite Steuerung des Verkehrs. «Sie können sich das so vorstellen wie eine Grüne Welle für Züge», erklärt Arnold Trümpi. Durch eine optimierte Fahrweise werden energieintensive Brems- und Beschleunigungsmanöver minimiert, die Züge «rollen» mehr. Eine Erfolgsgeschichte: ADF spart jedes Jahr knapp 72 Gigawattstunden.

Insgesamt haben die SBB 39 Massnahmen in drei Aktionsbereichen definiert. Es sind dies die Bereiche «Gebäude und Energie», «Mobilität» sowie «Rechenzentrum und Green IT». Im Gebäudesegment wurde durch den erwähnten Einsatz von Wärmpumpen schon viel erreicht. Zusätzlich will man unter anderem Mobilitätskonzepte für Gebäude schaffen oder energieeffiziente Beleuchtungen einführen. Im Aktionsbereich «Mobilität» sind etwa Massnahmen wie energieeffiziente Fahrzeuge zu finden oder das Einrichten eines Fahrzeugpools für Firmenfahrzeuge. Und was verbessern die SBB bei der IT? Zum Beispiel die Energieeffizienz des Rechenzentren dank passiver Kühllösungen und verbesserter Hardware. Zusätzlich zu diesen Zielen wurden 16 spezifische Massnahmen aufgegleist, die sich vor allem auf technische Komponenten im Rollmaterial beziehen.

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Energieeffizient denken und handeln

Die Bandbreite der Massnahmen ist gross. Wie also schaffen es Arnold Trümpi und sein 22-köpfiges Team, dass Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im gesamten Konzern SBB bewusst gelebt werden? «Damit das gelingt, müssen wir zuerst Transparenz schaffen», führt Trümpi aus. Kernfrage: Wer verbraucht wann wie viel – und wofür? «Nur wenn wir den Verbrauch aufzeigen können, können wir auch Anreize zum Sparen schaffen.»

«Nur wenn wir den Verbrauch aufzeigen können, können wir auch Anreize zum Sparen schaffen.»

Dann gehe es darum, dass «Energie» aktiv als Ressource gesehen und eingeplant wird. «Das hat direkte Auswirkungen, zum Beispiel auf die Art und Weise, welche Investitionen getätigt werden», sagt Trümpi. Zudem optimiere man laufend beim Rollmaterial und der Infrastruktur, etwa indem Haltestellen verbessert werden oder der Zugbetrieb verfeinert wird. Ein Beispiel dafür: «Bisher wurden Züge in der Nacht abgestellt und am morgen dann auf Betriebstemperatur aufgeheizt.» Neu geschehe dies fahrplanbasiert, also nur der Teil der Flotte, der unmittelbar benötigt wird, wird auch aufgeheizt. «Dies sind alles Dinge, bei denen man sich sagt: Ist doch logisch! Aber man muss diese Sparpotenziale zuerst erkennen – und dann auch handeln», betont der Leiter Energieeffizienz.

Aber es ist nicht nur an den SBB allein, sich um Effizienz zu sorgen. «Wir haben bei den neuen Doppelzugwagen festgestellt, dass die Software nicht optimiert ist – und unseren Industriepartner gebeten, da nachzubessern.»