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Heute noch Ideen, morgen schon Lösungen

Technologie Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft gilt es, neue Konzepte und Lösungen für aktuelle – aber auch künftige – Probleme zu finden. Diese neuen Ansätze kommen einerseits natürlich aus der Industrie, aber auch zu einem Grossteil aus den Schweizer Forschungs- und Bildungsstätten. Denn diese treiben Innovation in verschiedensten Bereichen voran.

Miriam Dibsdale

Es gehört zu den grössten Errungenschaften der Schweiz und man ist darauf mindestens ebenso stolz wie auf die hier gefertigten Uhren: das Schweizer Bildungssystem. Die für die Schweiz typische duale Ausbildung schafft von Beginn an eine ideale Voraussetzung für die Verknüpfung von theoretischem und praktischem Wissen. Der duale Bildungsweg ist darum auch für Vertreter von Politik und Wirtschaft einer der ganz grossen Erfolgsfaktoren unseres Landes.

Ich kann mir vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten.

Doch nicht nur bei der Grundausbildung, vor allem auch im tertiären Bildungsbereich kann die Schweiz punkten – mit einem breiten Angebot an Aus- und Weiterbildungen. Ein grosser Vorteil, den insbesondere die hiesigen Hochschulen aufweisen, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Bildungsstätte und der jeweiligen Industrie. So wird sichergestellt, dass Studierende Forschungstätigkeiten nachgehen können, die nahe am Markt sind und diesem letztlich effektive Vorteile verschaffen.

Die Förderung dieses Technologietransfers ist nicht nur ein wichtiger Faktor für die Schulen selber, sondern auch ein zentrales Element der Energiestrategie 2050 des Bundes: So sollen die «Portfolios der Energieforschung im ETH-Bereich, an den Fachhochschulen und den Universitäten überprüft und die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen, der Wirtschaft und den Technologiekompetenzzentren weiter gefördert werden», wie es im erläuternden Bericht zur Energiestrategie heisst. Dieses Vorgehen nützt den Hochschulen, weil sie dadurch ihre Studiengänge so anpassen können, dass sie den Bedürfnissen der Märkte entsprechen. Und es nützt natürlich auch den Studierenden selber. Denn sie erhalten nämlich nicht nur einen Einblick in die echten Herausforderungen in ihrem angepeilten Segment, sondern können gleichzeitig auch wertvolle Kontakte zu Unternehmen knüpfen – also zu potenziellen zukünftigen Arbeitgebern.

Und wie funktioniert das Ganze in der Praxis?

Beispiele dafür gibt es mehrere. Wie der Technologietransfer in der Praxis aussieht, zeigt etwa die Pilot- und Demonstrationsanlage für das Power-to-Gas-Verfahren der HSR Hochschule für Technik Rapperswil. Im Rahmen dieses Projektes kommen die unterschiedlichsten Partner zusammen; es handelt sich um eine Kooperation von Audi,  Erdgas Obersee, dem Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil, Climeworks, Erdgas Regio, Etogas, dem Forschungsfonds der Gasindustrie sowie der HSR.

Das Projekt zeigt, dass es technisch bereits heute möglich, klimaneutralen Treibstoff synthetisch herzustellen. Die Forscher des IET Institut für Energietechnik betreiben in Rapperswil-Jona die erste derartige Anlage in der Schweiz. Es ist die dritte Anlage weltweit. Das Forschungsziel ist es, diese Technologie für die Produktion industrieller Mengen von Erdgas auszulegen. Denn die Anlage macht es möglich, aus Sonne, Wasser und aus der Luft absorbiertem CO2 klimaneutrales Methangas herzustellen. Dieses kann dann als Fahrzeugtreibstoff sowie zur Stromspeicherung verwendet werden.

In die Tägliche Forschungsarbeit involviert

Einer der IET-Mitarbeiter, die regelmässig auf der Pilot- und Demonstrationsanlage Power-to-Methane HSR arbeiten, ist der 26-jährige Luca Schmidlin. Direkt nach seinem Bachelor-Abschluss im Studiengang Erneuerbare Energien und Umwelttechnik hat er sich auf eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IET beworben. Er war seit seinem ersten Arbeitstag in das Projekt involviert. In der Aufbauphase war er hauptverantwortlich für das Aufstellen und die Inbetriebnahme. «Nützlich waren mir dabei vor allem die Kenntnisse in der Chemie, der thermischen Verfahrenstechnik, der Thermodynamik und dem Projektmanagement», sagt Schmidlin. Alles Genannte gehört zu den Lehrinhalten aus seinem Bachelorstudium.

Voraussichtlich wird er auch seine Abschlussarbeit für den Master of Environmental Engineering auf der Anlage schreiben. Weil ihn zudem die Arbeit auf der Power-to-Methane-Anlage reizt, bleibt er trotz Masterstudium als Mitarbeiter beim IET und absolviert sein Masterstudium in Teilzeit über fünf statt drei Semester. Denn das Thema interessiert ihn auch beruflich. «Ich könnte mir mittlerweile vorstellen, in diesem Bereich zu arbeiten.» Mit der Lösung als Teilzeit-Student und Mitarbeiter könne er weitere, praktische Erfahrung parallel zum Studium sammeln.

Auch andere Hochschulen, ebenso wie die Universitäten, versuchen, es ihren Studierenden zu ermöglichen, Schulbetrieb und Forschungsarbeit mit attraktiven Studiumsmodellen zu ermöglichen. Wer sich für eine Ausbildung interessiert, sollte darum das Angebot der jeweiligen Institution genau anschauen oder sich an externe Berater wenden.