Holzhaus

Holz deckt viele Aspekte ab, die nachhaltiges Bauen voraussetzt.

Nachhaltiges Bauen leicht gemacht

Immobilien Die Baubranche ist ein zentraler Akteur auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft. Dank optimierter Bauprozesse und der Verwendung von nachhaltigen Materialen entstehen heute Gebäude, die kaum mehr Energie verbrauchen. Und das ist noch nicht alles.

SMA

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Werfen wir einen kurzen Blick auf die grösste Stadt der Schweiz, Zürich. Wie alle Ortschaften hierzulande steht auch die Limmatstadt vor der Herausforderung, nachhaltiger zu werden. Die Bautätigkeiten in der Stadt spielen dabei eine Schlüsselrolle. Doch was versteht man in Zürich unter «nachhaltigem Bauen»? Es komme darauf an, ökologisch verträgliche und ressourceneffiziente Lösungen umzusetzen – und das so wirtschaftlich und mit so viel Lebensqualität für die Nutzenden wie möglich, heisst es beim städtischen Hochbaudepartement.

Für Neubauten und Sanierungen bedeute das konkret, dass eine aufeinander abgestimmte Optimierung in den Bereichen Energie, Baustoffe, Nutzerfreundlichkeit, Erscheinungsbild und Lebenszykluskosten nötig ist. Nachhaltiges Bauen ist für die Stadt auch eine wichtige Massnahme auf dem Weg 2000-Watt-Gesellschaft. Dies setzt voraus, dass nachhaltig geplant und gebaut wird und bestehende Gebäude entsprechend bewirtschaftet werden. Und wie das «Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz» betont, reicht es nicht, nur die Gebäude in den Fokus zu stellen: Im grösseren Kontext müsse auch für die nachhaltige Quartier- und Arealentwicklung sowie die Raumplanung gesorgt werden.

Bauplan

Für Neubauten und Sanierungen bedeute das konkret, dass eine aufeinander abgestimmte Optimierung in den Bereichen Energie, Baustoffe, Nutzerfreundlichkeit, Erscheinungsbild und Lebenszykluskosten nötig ist.

Höhere Baukosten versus Energiesparen

Auf nationaler Ebene geniesst nachhaltiges Bauen also sehr hohe Priorität. Doch worin liegt der Nutzen für eine Privatperson? Wer ein Haus baut, muss meistens knapp kalkulieren. Wer zum Beispiel ein Minergie-Haus bauen will, muss mit durchschnittlich vier bis sechs Prozent höheren Baukosten rechnen. Lässt sich das im Laufe der Jahre durch die Energieeffizienz wieder einsparen? Die Fachleute sagen ja: Die zusätzlichen Kosten amortisieren sich zum Beispiel bei einem Einfamilienhaus während etwa sieben Jahren. Ausserdem können nach Minergie-Standard gebaute Häuser zu einem höheren Preis wieder verkauft oder vermietet werden. Zudem offerieren einige Banken Hypotheken zu Vorzugsbedingungen, wenn im Minergie-Standard gebaut oder renoviert wird.

Die zusätzlichen Kosten amortisieren sich während etwa sieben Jahren.

Wobei man hier anmerken muss, dass es nicht «den» Minergie-Standard gibt, sondern mehrere: Wer zum Beispiel höhere Ansprüche an die Energieeffizenz des Eigenheims hegt, entscheidet sich für den strengeren Minergie-P – oder gar den Minergie-A-Standard. Dergestalt zertifizierte Häuser benötigen praktisch keine Energie mehr, abgesehen von jener, die sie selber aus erneuerbaren Quellen herstellen. Sogar noch besser schneiden Plusenergiehäuser ab: Diese generieren mehr Energie, als sie verbrauchen.

Baumstämme

Das Comeback des Baustoffes Holz

Wer von nachhaltigem Bauen spricht, spricht auch von Holzbau. Der Rohstoff Holz hat in den letzten Jahren ein richtiggehendes Revival erlebt. So wohnt beispielsweise die 23fache Orientierungslauf-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder mit ihrer Familie in einem Plusenergie-Holzhaus in Münsingen. Dass Holz als Baumaterial wieder so beliebt ist, überrascht nicht – schliesslich deckt es viele Aspekte ab, die nachhaltiges Bauen voraussetzt:

So ist Holz der einzige nachwachsende Baustoff und eine der wenigen Ressourcen der Schweiz. Es ist ein regional verfügbarer, CO2-neutraler Baustoff, der bei Herstellung, Transport Montage und dem Rückbau erheblich weniger Energie als andere Baustoffe benötigt. Wird mit Holz anstatt mit Bausteinen oder Beton gebaut, reduziert dies die CO2-Emissionen um mehr als die Hälfte. Konkret: Ein Kubikmeter Holz entlastet die Atmosphäre um eine Tonne CO2. Rechnet man dies hoch zu einem dreigeschossigen Holzbau (20 auf 25 Meter Fläche) lassen sich beispielsweise 340 Tonnen CO2 binden. Damit wird der CO2-Jahresausstoss von 62 Personen in der Schweiz oder der CO2-Ausstoss eines durchschnittlichen Fahrzeugs in der Schweiz während 148 Jahren kompensiert.

Doch nicht nur aus ökologischer Sicht ergeben sich Vorteile, auch Bauherren profitieren, wenn sie auf Holz als Bausubstanz setzen. So sparen Holzbauten Kosten auf der Baustelle, weil sie genau geplant und dank Vorproduktion schnell montiert werden können. Und auch sehr präzise: Im Jahr 2013 wurde am Tamedia-Verlagsgebäude in Zürich ein An-/Neubau aus Holz und Glas fertiggestellt. Der Bau zeichnet sich aus durch eine Tragstruktur aus Holz, die aus 2000 Kubikmetern Fichtenholz gebaut wurde. Das Verblüffende daran: Die Tragekonstruktion kommt ohne zusätzliche Stahlverstärkung aus und wurde aus vorfabrizierten, millimetergenau gefrästen Elementen vor Ort montiert. Das zeigt, wie präzise mit Holz gearbeitet werden kann. Als Bauherr ist zudem auch das Risiko geringer, dass es zu bauphysikalischen Schäden durch Baufeuchte kommt, weil Holz überwiegend in trockener Bauweise verbaut wird.

Verdichtung

Raumplanung – wenn alles zusammen kommt

An Innovationen auf der Ebene «Gebäude» fehlt es also nicht. Wirklich nachhaltig wohnen werden wir künftig aber nur, wenn man auch auf den nächsthöheren Ebenen auf Nachhaltigkeit setzt, also bei Quartier-, Regional- und Raumplanung. Oberstes Gebot, bspw. für Städte, ist dabei gemäss «Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz» die Verdichtung. Dabei geht es, vereinfacht gesagt, darum, mehr Wohnraum auf einer kleineren Fläche zur Verfügung zu stellen und damit der Zersiedlung entgegen zu wirken.

Werfen wir zum Schluss einen zweiten Blick auf die Stadt Zürich: 2011 veröffentlichte die Stadt eine Studie darüber, wie durch Ersatzneubauten Verdichtung erreicht wurde. Resultat: Rund eine Million Quadratmeter zusätzliche Wohnfläche sind in der Stadt Zürich zwischen 2000 und 2009 durch Verdichtung im bereits überbauten Gebiet geschaffen worden. Rund drei Fünftel davon entstanden an Stelle ehemaliger Industrie- und Gewerbebauten, rund zwei Fünftel durch den Ersatz von Wohnbauten.