Dirty used colored plastic bottle pile

Bildquelle: ZVG

Es braucht bequemere und einfachere Sammelsysteme

Wirtschaft Für Privatpersonen wird Recycling immer wichtiger. Aber auch Unternehmen können von der naturfreundlichen Wiederverwertung profitieren: Ein neues Sammelsystem wäre nicht nur bequemer, sondern würde auch die Konsumenten begeistern. Obwohl es noch nicht so viele Innovationen im Recycling Bereich gibt, wäre der Bedarf dafür vorhanden.

Patrick Hunkeler

Wenn alle Menschen dieser Welt auf dieselbe Weise konsumieren und leben wollten wie die Schweizer, Europäer, Japaner und Amerikaner, würden die Rohstoffe niemals ausreichen. Schon jetzt konsumiert die Weltbevölkerung vorhandene Naturressourcen schneller als die Erde sich regeneriert und produziert mehr Abfälle und Kohlenstoffdioxid als der Planet absorbiert. Durch die wachsende Bevölkerung und die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern werden Rohstoffe weltweit immer knapper und teurer. Gleichzeitig gehen sie in grossen Mengen verloren, da sie beispielsweise in Form von Haushalts- und Siedlungsabfall weggeworfen und so nicht recycelt werden. Durch zahlreiche Wiederverwertungssysteme wie Recycling wird dem Ressourcenverbrauch zwar entgegengehalten, man kann damit aber nur einen Teil der gebrauchten Artikel in wieder nutzbare Stoffe umwandeln. Gerade die aus verschiedenen Materialen zusammengesetzten Stoffe stellen dabei ein Problem dar.

Recycling ist teilweise eine Erfolgsgeschichte

Sehr gut funktioniert das Recycling von Papier, Glas, Metall oder PET-Flaschen. Weniger gut hingegen steht es um Objekte, die durch ihre komplexere Bauweise viele unterschiedliche Stoffe beinhalten, welche einzeln wiederverwendbar wären. Diese werden zurzeit trotz grossem Aufwand nur sehr schlecht oder nicht fachgemäss separiert, wie das Beispiel von Ghana in Westafrika aufzeigt – dort verbrennen Kinder und Jugendliche von Hand ausgediente Elektrogeräte aus Europa, um an verwertbares Metall zu kommen. Dabei entstehen gefährliche Gifte, die höchst krebserregend sind. Die Liste der schädlichen Stoffe reicht von Blei über Cadmium und Quecksilber bis hin zu Chrom. Täglich atmen die Menschen die giftigen Dämpfe ein. Sie verdienen damit zwar Geld, ruinieren aber im Gegenzug ihre Gesundheit.

Recycling rückt also, wie das obige Beispiel zeigt, als wirtschaftliches sowie auch als soziales Phänomen immer stärker in den Fokus. Angesichts der weltweiten Waren- und Abfallströme zeigt sich allerdings, dass die vorhandenen Systeme, Technologien und Lösungen im Umgang mit Abfall heute und vermutlich auch künftig nicht zur Problemlösung ausreichen. Das Gottlieb Duttweiler Institut hat 2012 in einer umfassenden Studie die Zukunft des Recyclings und der Abfallbewirtschaftung untersucht. Die Forscher kamen zu sehr interessanten Schlüssen: Einerseits sehen sie grosses wirtschaftliches Potenzial beim Recycling, aber auch ungelöste Probleme bei der Technologie und der Logistik. Ein gutes Beispiel für fehlende Logistik in der Wiederverwertung von gebrauchten Stoffen ist der Umgang mit Plastikabfällen.

Viele Verbundstoffe sind – wenn überhaupt – nur unter grossem Energieaufwand zu trennen.

Plastik-Recycling in der Sackgasse?

In den letzten Jahren trennten immer mehr Schweizer die Kunststoffverpackungen vom Restmüll, damit diese nicht verbrannt werden. Einige Städte und Gemeinden betreiben eigene Sammelstellen, während das Plastik anderenorts bei einem Recyclingunternehmen abgegeben wird. Bis vor kurzem wurde ein Teil davon nach China exportiert, wo sich bisher ganze 56 Prozent des weltweiten Plastikabfalls einfanden. Um China zu entlasten, dürfen seit Januar 24 verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr in den Osten transferiert werden – darunter unsortierter Plastikabfall, Altpapier, alte CDs und gebrauchte Textilien. Nun fehlen in der EU und den USA aber die Kapazitäten, all diese Stoffe zu recyceln. Die Technologie zur Verarbeitung ist noch wenig ausgereift und es können bestenfalls rund 50 Prozent des gesammelten Plastiks zerlegt werden. Der Kunststoff soll beispielsweise zu einem Granulat verarbeitet und unter anderem für Kabelschutzrohre und Abdeckungen verwendet werden. Fraglich dabei ist, ob dabei ein ökologischer wie auch ein ökonomischer Nutzen vorhanden ist. Viele Verbundstoffe sind – wenn überhaupt – nur unter grossem Energieaufwand zu trennen. Mit bequemeren und einfacher verständlichen Sammelsystemen würde wohl mehr Abfall besser verwertet werden.

Chancen für innovative Unternehmer

Um dies zu erreichen, müsste die Politik die Bevölkerung mit Regulierungen, Strafen, Steuern und Anreizen motivieren, damit es tatsächlich zu einer Kreislaufwirtschaft kommt. So könnte die Industrie verpflichtet werden, ihre Herstellungs- oder Verarbeitungsprozesse und ihre Produkte ökologischer zu fabrizieren. Zum Beispiel wäre es möglich, von den Herstellern von Waschmittel zu fordern, dass ihre Plastikverpackung mindestens zu 30 Prozent aus recyceltem Kunststoffmaterial bestehen muss.

Da beim Recycling allgemein noch viele ungelöste Probleme vorhanden sind, gibt es in der Industrie und der Forschung grosse Chancen, Innovationen zu schaffen. Insbesondere technische Fortschritte bei der Sortier- und Trenntechnik könnten ganz neue Sammelsysteme ermöglichen und weitreichende Folgen für das gesamte Abfallmanagement sichern.

Verbesserungspotenzial gibt es auch in der Zusammensetzung der Produkte, die weggeworfen werden: Bereits bei der Herstellung könnte darauf geachtet werden, dass ein späteres Recycling möglichst einfach, energiesparend und klimafreundlich durchgeführt werden kann.