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Effizienz und Glücklichsein gehören zusammen

Energie Es wird noch eine Weile dauern, bis Energiesparen zum echten und staatlich geförderten Volksport wird. Doch gibt es bereits heute viele Möglichkeiten, die eigene Energiebilanz spürbar zu verbessern.

Miriam Dibsdale

Energiesparen macht glücklich, denn Wohlbefinden und Nachhaltigkeit ergänzen sich direkt, schrieb die Naturschutzorganisation WWF kürzlich in ihrem Magazin und zitierte dazu gleich noch den mexikanischen Psychologieprofessor Victor Corral-Verdugo: «Je ökologischer und altruistischer eine Person handelt, desto glücklicher ist sie auch.»

Gelegenheiten, dieses Glücksgefühl im Alltag zu finden, gibt es viele. Bereits kleine Veränderungen im Haushalt, ein bewussterer Umgang mit Ressourcen wie Wasser und Wärme oder eine relativ geringe Sanierung können erstaunliche Wirkungen erzielen – und jährlich Hunderte Franken Energiekosten einsparen. Das beginnt in der Küche, indem man beim Kochen, Backen und Abwaschen auf mehr Effizienz achtet, Rest- und Nachwärme nutzt oder einfach einen Deckel auf den Topf tut.

Der richtige Standort eines energieeffizienten Kühlschranks der Klasse A+++ kann dessen Stromverbrauch stark minimieren; die Wäsche wenn möglich im Freien statt mit einem Tumbler zu trocknen kann das Haushaltsbudget eines Vier-Personen-Haushalts im Jahr um knapp hundert Franken entlasten; wer Türen und Fenster abdichtet, Heizrohre und Heizkörper isoliert und richtig lüftet, spart beim Erwärmen der Wohnräume; und Wasserspardüsen, Energiesparlampen und Zeitschalter für elektrische Geräte bringen ebenfalls eine spürbare Entlastung der Bilanz.

Es rechnet sich schnell

Tipps und Tricks zu Haushaltsgeräten, Energielabels und Bezugsquellen finden sich in vielerlei Publikationen, die meist auch im Internet zugänglich sind. So hat das Öko-Forum der Stadt Luzern eine Broschüre zum Thema «Energie sparen im Haushalt» herausgegeben, und mehrere Umweltorganisationen, Interessenverbände sowie Energiekonzerne sammeln auf der Webseite topten.ch breitgefächerte Informationen über Geräte und Angebote. Eine weitere Informationsquelle ist www.energieschweiz.ch, die Website des Programms «EnergieSchweiz». Dort sensibilisiert man Leute vor allem für das Thema «Heizen», denn gemäss EnergieSchweiz werden zwei Drittel des gesamten Energiebedarfs im Haushalt fürs Heizen eingesetzt. Wer effizient heizt, spare darum nicht nur Energie, sondern auch Geld: und zwar so viel, dass jedes sechste Jahr gratis geheizt werden kann. Diesen Spareffekt erzielt man durch einige simple Handgriffe: Die Raumtemperatur sollte man auf 20 Grad einstellen, Möbel von Radiatoren wegstellen sowie Stosslüften, statt das Fenster die ganze Zeit über in der Kipp-Position zu belassen.

Zu ambitiös für dem Bund

Trotz vieler Absichtserklärungen des Bundes zum Thema Ressourceneffizienz und Förderung erneuerbarer Energien, könnte es in der Schweiz noch eine ganze Weile dauern, bis die Energie grösstenteils aus umweltverträglichen Quellen stammt. Mehrere Jahrzehnte, um genau zu sein. Zu diesem Schluss kommt man zumindest, wenn man die Energiestrategie 2050 genauer studiert oder die Argumente analysiert, mit der etwa Nationalrat und Bundesrat im März 2013 die Cleantec-Initiative der SP ablehnten. Gemäss dieser Initiative hätte der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis 2030 von heute knapp 20 auf 50 Prozent erhöht werden sollten. Laut der Energieministerin Doris Leuthard eine «sehr ambitiöse» Forderung. Der Bundesrat hielt es nicht für realistisch, sie umzusetzen. Die dafür notwendigen weitreichenden staatlichen Eingriffe bei Investitionen in Gebäude und bei der Umstrukturierung des Verkehrs seien zudem «problematisch».

Es scheint also wenig Sinn vorhanden für die Dringlichkeit, schnelle Lösungen für die drängenden Energiefragen zu finden. Vorerst bleibt es in weiten Teilen den Einzelnen überlassen, die eigene Energiebilanz aktiv zu verbessern, und sich ein sportliches Vergnügen daraus zu machen, Anreize, Angebote und Projekte zu finden. Dies gilt gerade auch bei den Bedürfnissen der persönlichen Mobilität – wobei der Begriff nicht mit Verkehr verwechselt werden sollte. In Zukunft wird sich vermehrt die Frage stellen, wie wir mehr Mobilität (die Wege zur Arbeit, zum Einkaufen, zu unseren sozialen Kontakten) mit weniger Verkehr(smitteln) bewerkstelligen können. Dazu gibt es neben den Möglichkeiten des öffentlichen Verkehrs immer mehr Angebote im sogenannten Carsharing. Neben dem grössten und bekanntesten Anbieter Mobility gibt es zunehmend Vermittlungsagenturen sowie das Pilotprojekt «eShare», in dem in verschiedenen Schweizer Städten Elektrofahrzeuge zur Verfügung gestellt werden, die zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben werden.