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Den Stromfressern geht es an den Kragen

Energie Diskussion um den Atomausstieg, Energiewende, 2000-Watt-Gesellschaft: Strom steht im Fokus. Mit energieeffizienten Haushaltgeräten kann bis zu 50 Prozent Strom gespart werden. Das rechnet sich insbesondere bei Mehrfamilienhäusern.

Miriam Dibsdale

Nachdem bereits letztes Jahr die Strompreise leicht erhöht wurden, bezahlen die Schweizer Haushalte auch 2015 mehr. Neu werden durchschnittlich 20,7 Rappen pro Kilowattstunde verrechnet – das entspricht einer Erhöhung von 5 Prozent, nachdem es letztes Jahr noch ein Prozent war. So bezahlt ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden pro Jahr 931 Franken für den Strom, wie die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) vorrechnet. Das sind 42 Franken mehr als im Vorjahr.

Kühlen und Gefrieren: 160 Franken pro Jahr

Da lohnt es sich, konsequent nach den Stromfressern zu suchen. Meistens sind sie ja da, wo sie nicht vermutet werden. Wer weiss schon, dass der Kühlschrank durchschnittlich 18 Prozent – oft sogar die Hälfte – des Stromverbrauchs eines Haushaltes ausmacht? Die Energie für das Kühlen und Gefrieren kostet pro Jahr also rund 160 Franken. Strom kann gespart werden, indem das Gerät optimal genutzt, gepflegt und gewartet wird. So braucht ein Kühlschrank ohne Eisschicht weniger Strom. Eis ist zwar kalt, aber auch ein guter Isolator, deshalb kann das Kühlelement nicht effizient arbeiten. Viele Kühlschränke sind zu kalt eingestellt – mit nur einem Grad wärmer lassen sich fünf Prozent des Stromverbrauchs reduzieren.

Eigentümer und Vermieter tun gut daran, laufend zu überprüfen, ob die Kühlschränke noch dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Hier liegt das grösste Sparpotenzial. Mit energieeffizienten Geräten lässt sich der Verbrauch oft bis um die Hälfte senken.

 140 Millionen für Waschmaschinen

Auch in der Waschküche kann gespart werden: In Schweizer Haushalten stehen mehr als zwei Millionen Waschmaschinen. Sie verbrauchen jährlich 700 Kilowattstunden Strom – das entspricht etwa 140 Millionen Franken. Dazu kommen 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Auch hier könnte der Verbrauch um mehr als 25 Prozent gesenkt werden. Für das maschinelle Trocknen wird noch einmal so viel Strom verbraucht – Tendenz steigend. Wäschetrockner der höchsten Energieeffizienzklasse haben auch hier ein Einsparpotenzial von 50 Prozent gegenüber älteren, ineffizienten Geräten.
60 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr

In der Schweiz werden jährlich rund 60 Terawattstunden oder 60 Milliarden Kilowattstunden (kWh) verbraucht. Einfluss auf den Verbrauch können alle nehmen. In der eigenen Wohnung, indem beispielsweise der Standby-Betrieb der verschiedenen Elektrogeräte vermieden wird.

In Mehrfamilienhäusern wird neben dem privaten auch Allgemeinstrom verbraucht: im Treppenhaus, in der Waschküche oder durch die Heizung. Auch hier liegt grosses Einsparpotenzial; nicht immer sind die energieeffizientesten Geräte und Lösungen im Einsatz. Das ist unnötig teuer und bedeutet auch höhere Nebenkosten für alle Bewohner der Liegenschaft.

Stromcheck für Mehrfamilienhäuser

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) wollen den Stromfressern in den Mehrfamilienhäusern konsequent an den Kragen und versuchen mit einem Förderprogramm Eigentümer von bestehenden Mehrfamilienhäusern zu motivieren, diese Stromfresser in ihren Liegenschaften aufzuspüren und zu ersetzen. Der Einstieg dafür ist der EKZ Stromcheck, eine vergünstigte Energieberatung. Mit diesem Check zum Pauschalpreis von 100 Franken pro Liegenschaft erhält der Immobilienbesitzer eine energetische Bewertung der am Allgemeinstrom angeschlossenen Elektroinstallationen. Ein Energieberater erfasst vor Ort den Ist-Zustand der Anlagen und überprüft die Einstellwerte der Steuergeräte. Dabei wird auch die Beleuchtung im Treppenhaus unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse und Auswertungen mit den entsprechenden Verbesserungsvorschlägen werden in einem Bericht festgehalten.

«Dank attraktiven Fördergeldern der EKZ konnten nach dem Stromcheck in jedem dritten Mehrfamilienhaus Effizienzmassnahmen umgesetzt werden. Zugute kommt dies allen: Dem Eigentümer und den Mietern, die sich über niedrigere Nebenkostenabrechnungen freuen dürfen», sagt Evely Rubli, Leiterin Energieberatung bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ). Zeigt der Stromcheck Handlungsbedarf, kann der Eigentümer von verschiedenen Förderaktionen profitieren. Bei den Haushaltsgrossgeräten wird der Kauf von Kühl- und Gefriergeräten, Waschmaschinen und Wäschetrocknern der höchsten Effizienzklasse gefördert. Teilnahmeberechtigt sind alle Liegenschaften mit mindestens drei Wohneinheiten, die von der EKZ mit Strom versorgt werden.

Was sind Effizienzklassen?

Ein Blick genügt, um den Energieverbrauch eines Haushaltgerätes oder einer Lampe sofort zu beurteilen. Auf der aufgeklebten Energieetikette befindet sich eine Skala mit den Energieeffizienzklassen von A bis G. A (grün) ist die beste und G (rot) die schlechteste Klasse. In der Schweiz müssen Haushalt-Grossgeräte auf der Verkaufsfläche zwingend mit einer Energieetikette versehen werden, die zudem noch weitere wertvolle Informationen wie den genauen Energieverbrauch in Kilowattstunden zeigt.

Je nach Produktgruppe werden drei Energieeffizienzklassen drei neue A+, A++ und A+++ ausgewiesen. Ausserdem werden statt Texte leicht verständliche Piktogramme verwendet. Ebenfalls auswiesen wird das Geräusch des Gerätes bei voller Leistung, falls dieses bei einem Produkt ein wichtiges Merkmal ist. Die Angaben auf den Etiketten basieren auf Messungen unter Laborbedingungen. Dadurch können die Werte verschiedener Geräte miteinander verglichen werden.