ETH Zuerich

MAS-ETH Absolventen werden in Zukunft die Schweizer Wirtschaft mitgestalten.

«Bei allem steht der Mensch im Vordergrund»

Technologie Im modernen Ingenieurwesen ist die Beziehung von Technologie und Mensch in der Gesellschaft zum integralen Bestandteil geworden. Eine Institution, die diesen Ansatz schon seit Jahren verfolgt, ist das Departement MTEC (Management, Technology and Economics) der ETH. Dieses darf heuer gleich zwei Jubiläen feiern.

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Haben Sie gewusst, dass knapp 30 Prozent aller Schweizer Topmanager ein Studium an der ETH absolviert haben? Dies mag seltsam anmuten, denn schliesslich handelt es sich bei ihr um eine technische Hochschule. Doch Wirtschafts- und Ingenieurswesen zu verknüpfen hat an der ETH bereits lange Tradition. Denn der Master MAS-ETH für Management im Technologie- sowie Unternehmensbereich feiert dieses Jahr sein 35jähriges Bestehen, und auch das dazugehörige Departement MTEC hat heuer sein 10jähriges Jubiläum.

Von Anfang an dabei war Professor Roman Boutellier. Er leitete während knapp zehn Jahren das Weiterbildungsprogramm MAS und erzählt gerne über dessen Erfolgsgeschichte von Forschung und Lehre: «Vor knapp 35 Jahren war ich bei der Gründung des MAS-ETH als Vertreter der Industrie dabei. Damit haben wir die Wirtschaftsingenieure in die Schweiz gebracht.» Durch diesen wurde eine neue Schnittstelle zwischen Industrie und Wirtschaft geschaffen.

Professor Boutellier sitzt an einem Tisch, die Händebitte einen anderen Ausdruck verwenden . Sein Büro ist geräumig, sein Bücherregal gefüllt mit wissenschaftlicher Lektüre. Neben seinem Tisch steht eine massive Apparatur aus Holz, bestückt mit einer Glaslinse. Es handelt sich dabei um ein Objektiv für Luftaufnahmen des (kommt aus Heerbruss SG, evtl. Rheintaler oder Ostschweiz schreibenOptikherstellers Leica, früher Wild (wissen noch viele ältere Leute) bei dem Boutellier früher in der Geschäftsleitung tätig war. Ein passendes Geschenk für einen Mann, der neben seinen Lehrtätigkeiten auch als Vizepräsident für Personalwesen und Infrastruktur der ETH einen scharfen Blick auf die Institution haben muss. Bei dieser Aufgabe unterstützen ihn knapp 1000 Angestellte. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Studierende und Dozenten ihren Studien- und Lehrtätigkeiten nachgehen können. Dafür ist neben dem scharfen Blick auch eine Bewandtnis mit den Kernelementen des MTEC nötig: Management, Technologie und Wirtschaft.

Alte Tradition mit neuem Ansatz

Auf Grundlage des «Scientific Management»-Ansatzes der 1910er-Jahre wurde 1929 das damalige Betriebswissenschaftliche Institut (BWI) der ETH gegründet. Das BWI wurde schliesslich vom direkten Vorgänger des MTEC, das Departement Betriebs- und Produktionswissenschaften, abgelöst. Darin hat man Technik, Managementlehre und Arbeitswissenschaften verknüpft. Am 2005 gegründeten MTEC sei man aber ein wenig vom Betriebsfokus abgerückt: «Heute liegt dieser mehr in der Ausrichtung auf Technologie in der Gesellschaft und in der Industrie, ein eher ganzheitlicher Ansatz also», erklärt Boutellier. Auch die Nachhaltigkeit werde sehr stark berücksichtigt.

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Zudem wird auch auf den interkulturellen Dialog wert gelegt, denn ein weltoffenes Denken bedeutet Professor Boutellier sehr viel: «Der Frankenschock vom 15. Februar dieses Jahres hat einmal mehr aufgezeigt, dass das Denken von Managern und Ingenieuren nicht an der Schweizer Grenze aufhören darf.» Heute sei die Schweiz mehr denn je in eine globale Gesellschaft eingebettet, und daraus ergäben sich grosse Herausforderungen.

Fokus auf Technik und den Menschen

Im Gegensatz zu einem klassischen MBA werde am MAS-ETH ein grundlegendes und forschungsbasiertes Verständnis vermittelt. Dieses Wissen eignen sich die Studierenden in normalen Klassen an. Es gehe darum zu verstehen, wie Organisationen funktionieren – immer mit Fokus auf Technik und vor allem auf den Menschen, denn: «Der Mensch steht heute bei allem im Vordergrund», so Professor Boutellier über die Auslegung des MAS.

Dazu kommen weitere prozessbezogene Themen wie Projektmanagement, Präsentationstechnik und das Arbeiten in kleinen, internationalen Gruppen. Auch ein Auslandaufenthalt gehört zum Masterstudium. Trotz dieser Reise ist der MASETH MTEC aber kein Urlaub: «Unser Masterstudiengang ist einer der härtesten weltweit. Wir stellen hohe Anforderungen, die es zu erfüllen gilt.» Wer das nicht kann, der fliegt raus. Im aktuellen Studienjahr wagen sich rund 60 neue Studierende an die Herausforderungen des MASETH MTEC. Man kann also ruhig davon ausgehen, dass auch diese in Zukunft die Schweizer Wirtschaft mitgestalten werden. Und sollte es der Schweizer Wirtschaft mal schlecht gehen, so ist wohl die ETH daran schuld: «Schliesslich haben ja 30 Prozent aller Schweizer Topmanager einen Abschluss unserer Hochschule», meint Boutellier augenzwinkernd.